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Elisabeth-Krankenhaus RE zahlt nach misslungener Knie-Operation

Recklinghausen - Das Elisabeth-Krankenhaus in RE-Süd hat nach einer Bein-Amputation infolge einer misslungenen Knie-Operation den Hinterbliebenen einer Patientin jetzt fast 70.000 Euro Schmerzensgeld und Aufwandsentschädigung gezahlt.

Das künstliche Kniegelenk von Adelheid Mejza war im Mai 2014 erneut operiert worden. Nach der Operation der damals 80-jährigen war es zu Komplikationen gekommen. Obwohl die Angehörigen die Ärzte mehrmals darauf hingewiesen, dass es der Patientin schlecht ginge, wurde zu spät reagiert.

Das stellte später auch ein Gutachter fest. Die Folge: Der Recklinghäuserin musste das Bein amputiert werden. Die zuvor rüstige, selbstständige Frau wurde zum Pflegefall.

Die 80-jährige suchte Hilfe bei einer Patientenanwältin. Zum Vergleich mit dem Elisabeth-Krankenhaus kam es erst vier Jahre später. In einer Stellungnahme bedauert die Geschäftsführung den Vorfall, stellt sich jedoch hinter die Ärzte. Adelheid Mejza hat diesen Ausgang nicht mehr erlebt. Sie hat sich von den weiteren Folgen der Amputation nie erholt und ist im Januar 2016 gestorben.

Nach misslungener Operation ein Pflegefall

Adelheid Mejza sollte ein künstliches Knie bekommen und verlor ein Bein. Sie verklagte das Elisabeth-Krankenhaus. Ihren Erfolg erlebte sie nicht.

Dieser Vergleich macht niemanden froh: Das Elisabeth- Krankenhaus zahlte jetzt fast 70.000 Euro Schmerzensgeld und Aufwandsentschädigung. Die Patientin Adelheid Mejza der nach Komplikationen infolge einer Knie-Operation das Bein amputiert wurde, hat davon nichts. Sie ist 2015 gestorben. Den Hinterbliebenen ist vor allem die traurige Erinnerung an den Leidensweg der Patientin geblieben. „So etwas darf nicht passieren“, sagt Adelheid Scholz, die der Patientin bis zum Ende beistand. „Tante Adelheid war rüstig, hat selbstständig in ihrer Wohnung gelebt, ihren Schrebergarten in Hochlarmark versorgt“, berichtet die Nichte. Nur das Laufen fiel der 80-Jährigen schwer.

Darum sollte im Mai 2014 das künstliche Kniegelenk erneuert werden. Adelheid Mejza ging es nach der Operation schlecht. „Als ich sie besuchte, war das Bein rot und sie hatte kein Gefühl mehr in den Zehen. Erst als ich mich einschaltete, hat eine Krankenschwester meiner Tante ein Kühlakku gebracht“, erinnert sich die Nichte. Der Arzt habe Blutergüsse festgestellt. Erst am nächsten Tag wurde bei Adelheid Mejza das Kompartmentsyndrom diagnostiziert. Schwellungen verhinderten die Durchblutung. Um das Bein zu retten, wurde am Abend notoperiert. Vergeblich, wenige Tage später folgte die Amputation.

Die weiteren Leidensstationen: Überweisung in die Reha, von dort in ein Wattenscheider Krankenhaus, weitere OP, zurück zur Reha. Als nicht therapiefähig in ein Altenheim geschickt. „Zuletzt war sie zu Hause im Rollstuhl, brauchte Hilfe und Pflege. Wir waren fast täglich bei ihr“, erzählt die Nichte. Durch die Unbeweglichkeit verschlechterte sich der Zustand: „Sie wollte nicht mehr. Ihr Körper war voller Wasser. Daran ist sie gestorben.“ Da war der Prozess bereits angestoßen. „Meine Tante hatte eine Rechtsschutzversicherung. Sie wusste, dass sie im Elisabeth-Krankenhaus nicht rechtzeitig behandelt wurde und hatte uns gebeten, etwas zu unternehmen“, sagt Adelheid Scholz. So kam die Herner Patientenanwältin Sabrina Diehl dazu. „Damals ging es darum, das Geschehen aufzuklären und vorzusorgen. Eine Pflegebedürftigkeit bringt immer hohe Kosten mit sich“, sagt die Juristin. Das Kompartmentsyndrom sei ein bekanntes Risiko bei Knie-Operationen. „Trotzdem übersehen Ärzte es immer wieder“, so die Anwältin. In einer Stellungnahme der Krankenhaus-Geschäftsführung heißt es: „Wir sind selbstverständlich von den gesundheitlichen Beeinträchtigungen, die die Patientin erleiden musste, betroffen und fühlen mit den Angehörigen.“ Es wird aber auch erklärt: „Unsere Ärzte haben alles ihnen Mögliche eingeleitet, um weiteren Schaden zu vermeiden.“ Tatsache ist, dass das Süder Krankenhaus einem Vergleich zustimmte und fast 70.000 Euro an die Hinterbliebenen zahlte. Diese Kosten trägt die Haftpflichtversicherung des Hospitals. Adelheid Scholz wünscht sich, dass der Fall ihrer Tante mehr als finanzielle Folgen hat: „Ich will, dass Ärzte ihre Patienten ernst nehmen und frühzeitig reagieren.“

AUF EIN WORT
Jeder, wirklich jeder Mensch in meinem Umfeld, hat im Krankenhaus schon schlechte
Erfahrungen gemacht. Entweder am eigenen Leib oder miterlitten bei Angehörigen. Und damit meine ich nicht das schlechte Essen. Die Wurzel allen Übels sind übrigens nicht die Mitarbeiter: Ob Pflegende oder Mediziner – die meisten haben ihren Beruf einmal ergriffen, weil sie Menschen helfen wollen. Das mag jugendliche Naivität sein. Denn der Arbeitsalltag im Krankenhaus sieht ganz anders aus: Da steht die Ökonomie an erster Stelle und längst nicht mehr das Wohl des Patienten. Dafür bräuchte es mehr Personal – doch daran wird gespart.

NACHGEFRAGT
Was können Patienten tun, die sich vom Arzt falsch behandelt fühlen? Sie sollen hartnäckig bleiben. Im Krankenhaus, wo der Patient oft hilflos ist, müssen auch die Angehörigen auf den Tisch hauen. Nur dann tut sich etwas.

Machen Ärzte denn oft Fehler? Gerade in Kliniken, wo immer mehr Personal abgebaut wird, passieren Fehler. Da ist der Patient nur eine Nummer. Es fehlt an Kommunikation unter Ärzten und Pflegepersonal. Patienteninformationen werden nicht weitergegeben. Manche Ärzte sind zu sorglos und übersehen Anzeichen, wie bei Frau Mejza.

Wie können Patienten sich wehren? Sie oder die Angehörigen sollten Gedächtnisprotokolle anfertigen, den Zustand mit Fotos dokumentieren, Namen von Bettnachbarn notieren. Die sind nämlich häufig
Zeugen. Das ist auch wichtig, falls ich juristisch vorgehen will.

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