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Klinik lässt Schlaganfallpatientin 6 Stunden warten. Jetzt sitzt sie im Rollstuhl und verklagt das Krankenhaus.

Gisela B. (78) aus Waltrop sitzt seit 2016 im Rollstuhl. Dafür gibt sie den Ärzten die Schuld, klagt auf Schadensersatz und Schmerzensgeld.

Von A. Wegener und M. Engelberg

Waltrop – In den schlimmsten Momenten ihres Lebens konnte sie nur eines tun: Warten.

Mit der Diagnose Schlaganfall schickte ein Arzt Gisela B. (78) aus Waltrop im Oktober 2016 in die Notaufnahme. Dort musste die Patientin nach eigenen Angaben über sechs Stunden warten. Jetzt sitzt die Seniorin im Rollstuhl und klagt mit Anwältin Sabrina Diehl (38) gegen das Klinikum Vest.

Der Fall: Gisela B. stand 46 Jahre mit ihrem Mann Horst (82) hinterm Tresen einer Kneipe. Im Jahr 2015 hörte sie auf, wollte mehr Zeit für ihre Hobbys: Kochen und Spaziergänge. Doch schon ein Jahr später war Schluss.

Der 20. Oktober 2016, früher Morgen. Oma Gisela: „Ich fühlte mich so komisch, wie eine leere Hülle.“

Ihr Mann fährt sie in eine neurochirurgische Praxis (im Gebäude der Klinik). Der Facharzt stellte schnell die Verdachts-Diagnose. Minuten später saß Gisela B. mit dem Überweisungsschein im vollen Wartebereich der Klinik. „Zwischendurch kam ich auch mal ins Behandlungszimmer, aber nach ein paar Fragen musste der Arzt wieder weg“, sagt sie. Erst nachmittags sei sie laut Klageschrift an Diagnose-Geräte angeschlossen worden. Danach habe sie einen weiteren Schlaganfall erlitten. Heute ist die Rentnerin ein Pflegefall. Ihre Tochter Sabine G. (52): „Sie kann nicht mehr gehen, hat ihre Selbstständigkeit verloren.“

Da ein außergerichtlicher Schlichtungsversuch scheiterte, hat Patienten-Anwältin Diehl jetzt Klage erhoben: „Wir werfen der Klinik vor, nicht sofort die notwendigen Befunde erhoben und Therapien eingeleitet zu haben.“ Das Krankenhaus weist die Vorwürfe zurück. „Frau B. wurde […] zu jeder Zeit medizinisch korrekt behandelt“, heißt es in einer Stellungnahme vom Ärztlichen Direktor, Prof. Hans-Georg Bone (56). Sie sei eingehend untersucht worden. Da die Beschwerden bei der Aufnahme aber bereits seit 24 Stunden bestanden hätten, sei eine Akutbehandlung nicht sinnvoll gewesen. Die Patientin habe Medikamente bekommen, sollte auf die Schlaganfall-Überwachungsstation verlegt werden. Da dafür ein anderer Patient verlegt werden musste, habe sich die Aufnahme verzögert.


 

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