Laura vom 30.04.2013 - Die Ärztin erklärt das Baby von Helga (44) für tot

„Es ist ein Wunder, dass unsere Kleine lebt“

Es ist die schlimmste Angst werdender Mütter: Dass das Kind im Mutterleib stirbt. Diesen Albtraum erlebte Helga Manthey - doch dann kam heraus: Es war eine Fehldiagnose. Und großes Glück
Eigentlich ist es ein ganz normaler Wintertag. Helga geht mit ihrem Mann Carsten einkaufen, als sie das erlebt, was jede Schwangerschaft fürchtet: „Ich fühlte ein Ziehen im Bauch - und bekam Blutungen.“ Panisch fahren sie ins Krankenhaus. Dort stellt eine Ärztin fest, dass das Baby nicht mehr lebt! „Ich war unendlich verzweifelt. Schließlich war dieses Kind die Erfüllung eines Traumes.“

Ein Traum, für den sie alles getan hatten. Denn als sie sich kennenlernten, hatte Helga bereits drei Kinder aus erster Ehe - und mit einem gemeinsamen wollte es nicht recht klappen. Di künstliche Befruchtung war die letzte Chance. „Ich hatte mir gesagt, ich versuche es bis zu meinem 40. Geburtstag. Wenn es bis dahin nicht gelingt, soll es nicht sein.“ Vier Wochen vor dieser selbst gesetzten Fristerklärt die Frauenärztin: Helga ist schwanger. „Wir waren so unfassbar glücklich.“ Elf Wochen später scheint der Traum vorbei: Helga wird in den OP-Saal gerollt, wo der Fötus entfernt werden soll.

Am Tag danach das Unglaubliche: Zur Nachuntersuchung fährt die Ärztin mit dem Ultraschall über Helgas Bauch - und hört Herztöne!
„Ich konnte es nicht glauben: Mein Baby war noch da! Im Überschwang umarmte ich die Ärztin, habe gelacht und geweint zugleich.“ Als Carsten ins Krankenhaus kommt und die Nachricht hört, schaut er seine Frau an, als wäre sie verrückt - bis er auf den Ultraschall blickt. Dann fällt er Helga in die Arme.

Erst nach einer Weile wird beiden klar, was sie gerade erlebt haben. Zwei Fehler hatte die Ärztin gemacht: eine falsche Diagnose gestellt - und die Operation mangelhaft ausgeführt. „Der zweite Fehler rettete meine Tochter. Es ist ein Wunder, dass unsere Kleine lebt.“

„Ich wusste: Da ist ein Schutzengel“

Zu diesem Zeitpunkt hat Helga noch sieben Monate Schwangerschaft vor sich. Viel Zeit um sich zu sorgen, was werden wird. „Aber das Gegenteil war der Fall: Ich hatte fast keine Angst mehr. Nach dem, was wir durchgemacht hatten, wusste ich: Unser Kind hat einen Schutzengel - der würde weiter aufpassen.“ Und so genießt Helga die Zeit, versucht, sich zu entspannen. Von ihrer Arbeit wird sie freigestellt. „Es war wunderschön: Ich lag auf der Couch und habe meinen Bauch gestreichelt.“ Nur ab und an kommen böse Zweifel: Was, wenn die Zeit im Krankenhaus dem Kind doch geschadet hat? „Ich hatte ja vor und während der OP Medikamente bekommen, als wäre ich nicht mehr schwanger.“ Als Rebecca - fünf Wochen zu früh - auf die Welt kommt, sind alle Ängste verschwunden: Das Mädchen ist gesund. Und wird sich normal entwickeln, wie die Ärzte sagen. Zwar ist die erste Zeit hart, weil Rebecca schreit und schreit. „Aber nach einem halben Jahr war das vorbei - und wir wurden einfach nur glücklich in unserer Familie.“ In dieser Zeit beschließt Helga, die Ärztin zu verklagen. „Es ging mir dabei nicht um Rache. Ich wollte einfach nur das, was ich erlebt habe, öffentlich machen. Damit jede Schwangere, die Blutungen hat, sich eine zweite Meinung einholt.“ Anders als sie selbst, die stets nur von der einen Ärztin behandelt wurde.

Jetzt haben ihr Richter 12.000 Euro Schmerzensgeld zugesprochen. „Das hilft uns bei vier Kindern natürlich schon. Aber ganz ehrlich: Eine Entschuldigung der Ärztin hätte mir mindestens genauso viel bedeutet. Ein Blumenstrauß - irgendeine Geste. Aber das wäre wohl als Schuldeingeständnis gewertet worden - und kam so auch nicht.“

Heute, vier Jahre nach dem Albtraum, turnt Rebecca über das Sofa im Wohnzimmer. Im Hintergrund: glückliche Eltern. „Rebecca kommt uns vor wie aus dem Bilderbuch. Wir sind so stolz auf sie.“ Doch trotz allen Glücks - der Schock wirkt nach. Filme über Neugeborene etwa kann Helga nicht mehr schauen. „Das ertrage ich nicht. Auch bin ich viel besorgter als bei meinen anderen Kindern. Wenn ich mich etwa auf dem Spielplatz mit Müttern unterhalte, bin ich gar nicht richtig da - sondern schaue unentwegt, wo Rebecca ist, was sie gerade macht - und habe fast schon die Arme ausgebreitet, um die aufzufangen.“ Auch Helgas Mann ist kritisch und besorgt geworden. „Er misstraut Ärzten heute grundsätzlich. Und geht schnell an die Decke, wenn er das Gefühl hat, jemand macht hier möglicherweise einen Fehler, weil er unachtsam ist.“
Doch so schlimm die Erlebnisse waren - sie hatten auch positive Folgen.

„Auch unsere Liebe ist stärker geworden“

„Ich bin mir heute viel bewusster, was für ein Geschenk ein Kind wie meine Tochter sit. Und nehme mir mehr Zeit für sie.“ Auch die Beziehung zu Carsten ist gestärkt: „Ich weiß, was für ein toller Beschützer mein Mann ist. Nicht nur für Rebecca - sondern auch für mich.“

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