Tödlicher Klinik-Skandal!

Darf ein Arzt nicht aus der Klinik?

Unfassbar: Bei der Frage, ob ein Arzt die Klinik verlassen, zu Hilfe eilen darf oder nicht, spielen auch versicherungs-technische Erwägungen eine Rolle. Monika Funken (52, Sprecherin Kliniken der Stadt Köln) zum EXPRESS: „Wir haben mit unserer Haftpflichtversicherung extra vereinbart, dass Ärzte auch außerhalb des Klinikgeländes Erste Hilfe leisten können.“ Denn ab Klinikgrenze sei die Einsatzleitstelle 112 der Feuerwehr zuständig.

 

„Letztlich ist im Einzelfall abzuwägen“, so Mirko Miliniewitsch (36), Krankenhaus-gesellschaft NRW: „Der diensthabende Arzt wird auch in der eigenen Notaufnahme benötigt.“ -

„Klarer Fall von unterlassener Hilfeleistung“, meint dagegen Patientenanwältin Sabrina Diehl (32). „Jeder ist verpflichtet, bei Unglücks- und Notfällen zu helfen. Falls es Dienstanweisungen dagegen gäbe, wären sie unzulässig.“

Kein Arzt kam raus, um dem 65-Jährigen nach seinem Kollaps zu helfen

Düsseldorf – Er bricht vor der Pforte eines Krankenhauses zusammen – aber kein Arzt kommt heraus, um ihm zu helfen. Der Tod des 65-jährigen Werner M. macht fassungslos!

Es passiert nachts um 3 Uhr vor dem Augusta Krankenhaus im Düsseldorfer Stadtteil Rath: Der Frührentner, der früher als Chemiker gearbeitet hat, geht mit seinem Pinscher „Bonita“ Gassi. Direkt vor der Klinik bricht er zusammen, fällt auf den Kopf.

Passant Christopher Amos (29) findet Werner M. am Boden liegend, er röchelt. „Sein Hund war an eine Laterne gebunden. Ich rannte sofort die 50 Meter ins Krankenhaus, bat um Hilfe. Doch der Pförtner sagte, ich solle einen Krankenwagen rufen. »Wieso?« fragte ich, »hier ist doch eine Klinik!« Er antwortete, die Ärzte dürften nicht rauskommen, rief dann endlich zögerlich die Feuerwehr. „Für mich hat das Krankenhaus völlig versagt!“

Martin Schicht, Sprecher des Verbands katholischer Kliniken (VKKD) hält dagegen: „Das ist ein bedauerlicher Fall, aber alle Mitarbeiter haben korrekt gehandelt. Der diensthabende Arzt in der Ambulanz durfte die Klinik nicht verlassen, das wäre gegen die Dienstvorschriften. Der Patient lag draußen im öffentlichen Raum. Somit war die Feuerwehr zuständig, nicht wir.“

Bevor der Rettungswagen kommt, tauchen laut Christopher Amos an der Pforte doch noch zwei Ärzte auf und fragen, was los sei. Doch der Pförtner soll abgewiegelt haben: „Ich habe schon die Feuerwehr gerufen.“ Die Ärzte gehen wieder rein. Unfassbar: Der Rettungswagen fährt Werner M. 50 Meter weiter ins Augusta-Krankenhaus – jene Klinik, aus der zuvor kein Arzt zur Hilfe gekommen war. Wurde hier die Zeit verloren, in der der Mann hätte gerettet werden können?

Der Freund des Verstorbenen erleidet einen Nervenzusammenbruch. Zum EXPRESS sagt er mit tränenerstickter Stimme: „Was da auf der Straße war, weiß ich nicht. Ich wurde Stunden später angerufen, ging in die Klinik. Da sah ich Werner im Sterben liegen. Die Ärzte schalteten dann die Maschinen ab – da war er tot! Er hatte ein Lungenödem, war in Behandlung. Man sagte mir, er habe sich beim Sturz eine Gehirnblutung zugezogen. Was nun tödlich war, weiß ich nicht. Aber da stimmt doch etwas nicht!“

Christopher Amos ergänzt: „Formal mag die Klinik im Recht sein – aber moralisch? Wo bleibt der Ärzte-Eid? Wo die Menschlichkeit? So etwas darf nicht vor der Tür einer Klinik passieren.“

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