Hallo NRW vom 23 01 2016 Der Gang zum Arzt - Augen zu und durch Oder wie sollte ich mich als Patient verhalten Sabrina Diehl
Kaum ein Mensch geht gern zum Arzt. Natürlich wären wir alle lieber gesund und bräuchten Ärzte gar nicht. Besonders im Alter steigt die Zahl der Arztbesuche. Oft hört man dann "Ach, Augen zu und durch!".


Diese Haltung rührt noch aus einer Zeit, in der Patienten schier blindes Vertrauen zu Ärzten hatten. Gerade in der heutigen Zeit, in der vor allem Personalmangel und Zeitmangel den Ärztealltag bestimmen, ist es fatal, wenn Sie als Patient sich blind auf die Kompetenz der Mediziner verlassen. Zu viele Ärzte glauben noch immer, der Patient müsse sich nach den ärztlichen Entscheidungen richten.


Die Entscheidungskompetenz liegt aber laut Gesetzgeber beim Patienten! Es ist daher Aufgabe des Arztes, den Patienten über sein Erkrankungsbild und die Behandlungsmöglichkeiten sowie Komplikationen aufzuklären.


Der Arzt ist gesetzlich verpflichtet eine Informationsgrundlage zu schaffen, mit der sie das Für und Wider einer Behandlung abwägen können. Behalten Sie hierbei im Hinterkopf, Ärzte verdienen auch mit Operationen Geld!
Auch wenn es dem Arzt nicht um Geld geht, so sind Ärzte auch nur Menschen und machen Fehler. Im Falle eines Behandlungsfehlers trägt der Arzt die Verantwortung.


Damit es jedoch gar nicht erst zu einem Haftungsfall kommt, sollten Sie als Patient auch verantwortungsvoll mit Ihrer Gesundheit umgehen. Sie haben ein Recht auf Mitsprache! Wenn Sie etwas nicht verstehen, haken Sie nach. Sie dürfen auch nach dem Sinn einer Behandlung fragen und diese in Frage stellen. Haben Sie Zweifel, ob eine angeratene Operation wirklich notwendig ist, so holen Sie sich eine zweite Meinung ein. Ist ein Arzt nicht bereit, sich die Zeit für Ihre Fragen zu nehmen oder stempelt er sie gar als "schwierigen Patienten" ab, weil Sie Fragen stellen, sollten Sie sich überlegen, ob Sie bei diesem Arzt in den richtigen Händen sind.


Patientenanwälte können nicht oft genug betonen, wie wichtig es ist, auch als Patient Verantwortung zu übernehmen.


Viele Abläufe können Patienten zwar nicht beeinflussen, aber in den Bereichen, in denen Sie mitwirken können, sollten Sie dies auch tun.


Verlassen Sie sich nicht darauf, dass Ihr langjähriger Hausarzt auswendig weiß, welche Medikamenten-Allergien Sie haben. Er betreut eine Vielzahl von Patienten und im alltagsstress kann auch er eine wichtige Information übersehen.


Das gilt erst recht, wenn Sie von einem Vertretungsarzt oder einem Praxiskollegen behandelt werden. Gerade dann, wenn die Verordnung verschiedener Medikamente von verschiedenen Ärzten ausgesprochen werden, müssen diese penibel über andere eingenommene Medikamente aufgeklärt werden. Führen Sie daher immer eine Medikamentenliste bei sich. Viele Patienten verlieren hier leider häufig den Überblick und nehmen die Medikamente auch falsch ein.


Auch hier gilt: haben Sie Zweifel, fragen Sie Ihren Arzt. Gerade in diesen Bereichen, in denen Sie die Möglichkeit haben, selbst Verantwortung zu übernehmen, sollten wir diese auch wahrnehmen, damit Flüchtigkeitsfehler mit mitunter schweren Folgen vermieden werden.


Sollten Sie trotzdem Opfer von Ärztepfusch werden, helfen Ihre Aufzeichnungen dem Fachanwalt für medizinrecht, Ihre Ansprüche gegen Ärzte erfolgreich durchzusetzen.


Sabrina Diehl

 

 

 

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