Dirk Schütze verlor nach Gefäßverschluss drei Zehen und einen Teil des Fußes. Mediziner am St.Clemens haben Erkrankung nicht erkannt, klagt Familie Schütze

Oberhausen. Für Dirk Schütze begann der Alptraum seines Lebens am 14. Januar. Der 46-Jährige wurde mit Kreislaufproblemen, einem viel zu hohen Blutdruck und Schmerzen im linken Fuß ins St. Clemens Hospital Sterkrade eingeliefert. Heute wirft er den behandelnden Ärzten vor, einen Gefäßverschluss im Bein nicht erkannt zu haben und dafür verantwortlich zu sein, dass ihm in der Folge drei Zehen und ein Teil des Vorfußes amputiert werden mussten.

Familie Schütze hat jetzt Beistand bei einer Patientenanwältin gesucht, die zwei Chefärzte des Hauses auf ein Schmerzensgeld von 75 000 Euro verklagen will. Den Gesamtstreitwert beziffert Fachanwältin Sabrina Diehl gar auf rund 200 000 Euro.

Gipsschiene angelegt
Da Dirk Schütze noch immer im Krankenhaus liegt – nun im Evangelischen Krankenhaus Oberhausen – schildert Ehefrau Cornelia die Ereignisse. „Als Dirk im Januar als Notfall ins St. Clemens Hospital kam, stellten die Ärzte fest, dass er Wasser in Bauch, Beinen und Lunge hatte und verlegten ihn mit dem Verdacht auf Lungenembolie und Thrombose auf die Intensivstation.“ Dort sei ein Ultraschall am linken Bein gemacht worden, die Lunge wurde geröntgt, das Wasser abgezogen. „Der Verdacht habe sich nicht bestätigt, wurde uns mitgeteilt“, erzählt die 42-Jährige.
Die Schmerzen im Fuß aber wurden schlimmer. „Dirk bekam Tabletten, Salbe und einen Verband.“ Als auch das nichts half, habe sich ein Unfallarzt das Bein noch mal angesehen. „Er diagnostizierte eine Entzündung der Achillesferse und ließ eine Gipsschiene anlegen.“ Der Fuß habe sich da bereits eiskalt angefühlt. „Typisch für einen Gefäßverschluss“, meint Anwältin Sabrina Diehl

Depression nach elf OPs
Doch Dirk Schütze wurde nach drei Wochen entlassen. Da die Schmerzen im Bein schlimmer wurden, suchte er sofort seinen Hausarzt auf. „Der überwies meinen Mann zu einem niedergelassenen Gefäßspezialisten, der ihn gleich als Notfall ins EKO schickte. Gefäßverschluss lautete die Diagnose dort und es gebe nur geringe Chancen, das Bein zu erhalten.“ Doch die Ärzte im EKO kämpften, öffneten den Unterschenkel an zwei Seiten bis zum Knie, legten Schläuche, um den Druck abzubauen.

Fünf Wochen lang habe ihr Mann Morphium erhalten, 30 Kilo abgenommen und durch all das eine Depression entwickelt. „Er hat jetzt elf OPs hinter sich und noch zwei vor sich, denn die Wunden sind so groß, dass Haut transplantiert werden muss.“ Drei Zehen und ein Teil des Vorfußes seien nicht mehr zu retten gewesen. Was für Dirk Schütze und seine Frau kaum zu ertragen ist: „Die Ärzte im EKO sagten uns, wenn er nur eine Woche eher gekommen wäre, hätte man das hinkriegen können.“

Aufforderung zur Akteneinsicht
Anwältin Diehl sieht „sehr gute Chancen“, den angestrebten Prozess zu gewinnen. „Es geht hier um eine unterlassene Befunderhebung – in einem solchen Fall müssen die behandelnden Ärzte beweisen, dass sie tatsächlich alles Notwendige unternommen haben.“ Glück im Unglück für Dirk Schütze: Er ist rechtsschutzversichert und seine Versicherung hat einer Kostenübernahme bereits zugestimmt.

„Bei uns ist zunächst nur ein unzureichend autorisiertes Schreiben mit der Aufforderung zur Akteneinsicht eingegangen“, sagt Michael Boos, Geschäftsführer der St. Clemens Hospitale Sterkrade gGmbH. Dieses Schreiben sei mit der Bitte um korrekte Bevollmächtigung von seinem Haus zurückgesendet worden. „Seitdem haben wir von der Anwältin nichts mehr gehört.“ Der Fall sei dennoch intern zur Aufarbeitung gegeben worden. „Haben wir tatsächlich Fehler gemacht, werden wir dazu stehen, aber zuvor werden wir erst einmal die Sachlage gründlich prüfen“, so Boos weiter. Mehr könne er aktuell dazu nicht sagen.

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