„Ich habe ihn noch in den Arm genommen, ihm gesagt dass ich ihn liebe. Dann hat er seine Augen geschlossen.“

Mit stockender Stimme beschreibt Patricia R. (48) die letzten Sekunden im Leben ihres Mannes Stephan (verstorben, 51). Er hatte Lungenkrebs, der bis ins Hirn streute. Vier Jahre lebte er damit. Dann kam er für eine vergleichsweise harmlose Nierenstein-OP wieder in die Klinik.

Patricia R.: „Zwei Tage nach der OP hatte er starke Schmerzen, sprach mit seiner Mutter darüber, sagte, dass er Medikamente bekommen hat, die müde machten.“

Am Morgen danach kam er plötzlich auf die Intensivstation. Die Witwe: „Er hat uns von Panikattacken erzählt, dass ihm die Notklingel runtergefallen ist und er um Hilfe geschrien hat. Ich gehe davon aus, dass er seine Atemmaske nicht trug. Die brauchte er, weil er im Schlaf Atemaussetzer hatte. Deshalb die Panik.“

Dann ging alles sehr schnell. Notoperation wegen Blutvergiftung. Herzstillstand. Künstliches Koma. Sechs Wochen später war Stephan R. tot. Jetzt hat Ehefrau Patricia R. die Klinik verklagt - und erhebt schwere Vorwürfe.

Sie: „Wenn Stephan die Maske getragen hätte, wäre es ihm möglich gewesen, Hilfe zu holen und zu klingeln. Wenn man sich sorgfältig gekümmert hätte, würde er noch leben.“

Die Klinik stellt die erhobenen Fehler in Abrede. Man habe zeitnah auf die Verschlechterung des Allgemeinzustands reagiert.

In der Klageerwiderung heißt es unter anderem: „…Auch wird explizit bestritten, dass dem Erblasser die Notklingel herunter gefallen war und er die Schlafmaske nicht getragen habe.“

Patientenanwältin Sabrina Diehl (34, Marl) dazu: „Meine Mandantin kämpft dafür dass der Fall aufgeklärt wird. Ich gehe davon aus, dass ein Gutachter die erhobenen Vorwürfe bestätigen wird.“

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