Viel Spa vom 24.09.2015 Pfusch des Gutachter ist mein Todesurteil Sabrina Diehl Fachanwltin fr Medizinrecht Schadensersatz SchmerzensgeldWie konnte das nur passieren? Die Frage geht dem ehemaligen Bergmann Josef G. (56) und seiner Frau Claudia (48) aus Kamp-Lintfort (NRW) nicht aus dem Kopf. Sie sind sprachlos, wie der medizinische Gutachter Dr. M. so unverantwortlich handeln konnte. „Sein Pfusch ist mein Todesurteil!“, erklärt Josef und schaut entsetzt auf seine Röntgenaufnahmen.

Es sind zwei Fotos, die das ganze Ausmaß des Fehlers aufzeigen. Das erste Röntgenbild ist datiert auf den Mai 2012. „Der dunkle Schatten auf der Lunge meines Mannes ist mit bloßem Auge deutlich zu erkennen“, sagt Claudia fassungslos. „Und das soll dem Gutachter nicht aufgefallen sein? Warum hat er meinen Mann nicht sofort informiert? Das hätte seine Überlebenschancen auf 70 Prozent abgehoben“, fährt sie fort.

Die deutet auf die zweite Röntgenaufnahme, neun Monate später. Der Schatten ist dort noch größer, „wir sehen hier das Ergebnis seines Schweigens! Der Tumor war inzwischen faustgroß, ist dann herausoperiert worden. Doch der Krebs hatte vier Monate Zeit in die Leber, Milz und Lymphknoten zu streuen!“, erklärte die Ehefrau. Dem Paar läuft die Zeit davon. „Diese Krankheit ist unheilbar. Ich weiß nicht, wie lange mir noch bleibt“, fügt Josef hinzu.

Gegen die Schmerzen muss er starke Medikamente nehmen. Jahrzehnte hatte der Ex-Bergmann unter Tage gearbeitet. Wegen seiner Rücken- und Knieprobleme beantragte Josef vor einigen Jahren seine vorzeitige Rente. „ Daraufhin hat das Sozialgericht eine Begutachtung bei einem Orthopäden angeordnet. Das war im Mai 2012“, erinnert sich Josef. „Doch der sprach nach der Untersuchung nicht mit mir über meine auffälligen Röntgenbilder und so fiel alles unter den Tisch!“

Josef ahnte nichts, bis er von einem weiteren Arzt untersucht wurde. „Er sah die Röntgenbilder und schlug die Hände über dem Kopf zusammen!“ Der Tumor wurde entfernt, aber die anschließende Chemo musste Josef wegen Unverträglichkeit abbrechen. Nun will er Gerechtigkeit: „Der Gutachter soll und muss für seinen Fehler geradestehen, damit meine Familie wenigstens versorgt ist, wenn ich mal nicht mehr da bin.“ Doch dieser lässt über seinen Anwalt ausrichten, dass er sich nicht zum Verfahren äußert. Josef steht mit seiner Klage noch ein langer Weg bevor.

 

 

 

„Der Orthopäde hat fahrlässig gehandelt“

Juristin Sabrina Diehl (33) vertritt die Interessen ihres Mandanten Josef G. in der rechtlichen Auseinandersetzung gegen den Gutachter.

„Wir fordern 100.000 Euro Schmerzensgeld und Schadensersatz für diesen groben Fehler.“

„Obwohl es als Orthopäde nicht sein Aufgabengebiet war, hätte er meinen Mandanten auf den deutlich erkennbaren Schatten auf der Lunge hinweisen und das besprechen müssen. Er darf nicht einfach darüber hinweggehen. das ist fahrlässig und unverständlich. Der Gutachter hätte Verantwortung zeigen müssen und durfte es nicht einfach so laufen lassen, wie es gelaufen ist.“  

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