„Ich schrie wie am Spieß“

Alexanders Geburt (heute 18 Monate alt) im Mai 2011 sollte der schönste Tag ihres Lebens werden, doch stattdessen erlebte Christina S. (23) im Kreißsaal die Hölle!

Denn plötzlich waren die Herztöne des ungeborenen Babys nicht mehr zu hören. Jetzt musste es schnell gehen. Christina wurde für den Notkaiserschnitt vorbereitet, bekam eine Periduralanästhesie (PDA), die den Unterleib betäuben sollte. Doch das Mittel wirkte nicht! „Bei dem Piks-Test, der gemacht wurde, habe ich klar gesagt, dass ich noch etwas spüre“, erzählt die junge Mutter aus Herten (NRW). Trotzdem griffen die Ärzte zum Skalpell. „Ich hatte das Gefühl, dass mein Unterleib aufgerissen wird und schrie wie am Spieß!“

Ihr Freund Sebastian S. (23) war bei der Geburt dabei, musste tatenlos zusehen, wie Christina vor Schmerzen brüllte. „Er hat noch gefragt, ob das normal sei. Da wurde ihm gesagt, das seien Phantomschmerzen und ich würde mich später nicht daran erinnern.“ Doch die Ärzte lagen falsch! wie lange sie diese unfassbaren Schmerzen erleiden musste, weiß Christina nicht. „Ich hatte das Gefühl, dass es Stunden waren.“ Dann endlich merkten die Ärzte, dass tatsächlich etwas nicht stimmte - Christina wurde in Vollnarkose versetzt. Doch zu diesem Zeitpunkt konnte sie den kleinen Alexander schon schreien hören.

Ungern denkt die Hertenerin auch an die Zeit nach der Geburt zurück. „Ich habe damals viel geweint, bin nachts schreiend aufgewacht. Ich habe heute immer noch Alpträume!“

Doch woran lag es, dass ihre verzweifelten schreie im OP zunächst keine Beachtung fanden? „In der Erklärung des Krankenhauses hieß es, dass es Komplikationen gegeben habe, dass das OP-Tuch zu hoch gehangen hatte und deshalb keine Kommunikation stattfinden konnte“, sagt Christina.

Sie konnte diese Argumentation nicht nachvollziehen, wandte sich an die Ärztekammer und suchte sich einen Anwalt. Dieser forderte 50.000 Euro Schmerzensgeld.

So erfuhr die Chefärztin überhaupt erst von dem Vorfall und lud die jungen Eltern zu einem Gespräch ein. „Sie hat den Fehler sofort eingesehen und bot Hilfe an“, erzählt Christina. 15.000 Euro Entschädigung zahlte die Klinik. Außerdem übernimmt sie die Kosten für die Traumatherapie. Und wie groß ist die Chance, dass der kleine Alexander noch ein Geschwisterchen bekommt? „Die liegt momentan bei Null. Ich gerate schon in Panik, wenn ich überhaupt an einen OP denke, geschweige denn an eine Geburt.“ Ganz ausschließen will Christina eine zweite Schwangerschaft aber trotzdem nicht. doch um dafür bereit zu sein, muss erstmal die Trauma-Behandlung anschlagen.

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