Ich spürte, wie die Ärzte mich aufschnitten

Jeder, der schon einmal operiert wurde, kennt dieses mulmige Gefühl. Wird auch alles gut gehen? Wird die Narkose richtig wirken? Noch wach zu sein und alles mitzubekommen, die Klinge zu spüren, wenn der Arzt das Skalpell ansetzt - das ist eine Schreckensvorstellung, die zum Glück selten wahr wird (s. Kasten). Und doch kommt genau das immer wieder vor. So ist es auch Christina Sommer aus Herten (NRW) bei der Geburt ihres Sohnes ergangen. Ausgerechnet beim Kaiserschnitt versagte die Narkose - Horror im Kreißsaal!

Noch heute kommen der 22-Jährigen die Tränen, wenn sie sich an die Qualen erinnert: „Es war, als ob mir bei lebendigem Leibe der Unterleib auseinandergerissen würde.“ Dabei hatten sie uns ihr Freund Sebastian (22) sich so auf die Geburt gefreut. Doch kurz vor dem errechneten Termin gab es Komplikationen, die Herztöne waren auffällig. Deshalb kam die Hochschwangere ins Krankenhaus und dort an einen Wehentropf. Vereinbart war, dass sie eine sogenannte Peridural-Anästhesie (PDA) bekommen sollte, eine Spritze, durch die Gebärende bei der Geburt kaum Schmerzen haben. Sollte ein Kaiserschnitt notwendig werden, hatte sie sich für eine Vollnarkose entschieden. Aber daran hielten die Ärzte sich nicht!

Christina lag im Kreißsaal, auch Sebastian war dabei, als der Gynäkologe beschloss, doch einen Kaiserschnitt zu machen. Entgegen der Vereinbarung setzte er ihr aber nur zwei PDA-Spritzen. „Ein Arzt pikste Christina zur Probe in den Unterleib und fragte, ob sie etwas spürt“, berichtet Sebastian. „Aber obwohl sie laut JA sagte, machten die Ärzte weiter und schnitten ihr bei vollem Bewusstsein den Bauch auf! Ihre Schreie taten sie damit ab, das seien Phantomschmerzen.“ Erst endlose Mininuten später machte die Anästhesistin dem Leiden mit einer Vollnarkose ein Ende. So kam Sohn Alexander doch noch gesund zur Welt.

Mithilfe der Patientenanwältin Sabrina Diehl aus Marl fordert Christina nun 52.000 Euro Schmerzensgeld von der Klinik, die gegenüber auf einen Blick ein Einlenken signalisiert hat. „Was passiert ist, tut uns außerordentlich leid“, so Sprecher Hubert Claves. „Wir erkennen den Anspruch auf Schmerzensgeld an.“

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