Sandra Schlüter (35) musste unvorstellbare Schmerzen erleiden - und kämpft heute um Wiedergutmachung

Für eine junge Mutter gibt es kein größeres Glück, als ihr Kind nach der Entbindung im Arm zu halten. Doch für Sandra Schlüter (35) wird die Erinnerung an die Geburt ihrer kleinen Emily für immer mit blankem Entsetzen verbunden sein: Bei einem Kaiserschnitt wurde ihr bei vollem Bewusstsein der Bauch aufgeschnitten - ohne Narkose!

„Es war ein Albtraum“, sagt die Restaurantleiterin aus Herten (NRW). „Aber das Schlimmste ist, dass ich immer noch unter den Folgen dieser Tortur leide. Ich werde einfach nicht fertig damit.“ Das erste Kind von Sandra und Christian Schlüter (26, Sicherheitsdienstler) sollte in einem Hertener Krankenhaus zur Welt kommen. Dass dort kurz zuvor schon einmal bei einem Kaiserschnitt die Narkose misslungen war (auf einen Blick berichtete), wussten sie nicht. So fuhr das Paar voller Vertrauen in die Klinik, als es so weit war. Für den Fall, dass die Schmerzen zu groß würden, wurde Sandra Schlüter ein Zugang für eine Periduralanästhesie (PDA) gelegt, bei der man vom Geburtsschmerz kaum etwas mitbekommt. Doch dann geriet die Geburt ins Stocken. Die Ärzte entschieden, einen Kaiserschnitt mit PDA vorzunehmen - und dabei kam es zur Katastrophe. „Vor allem im Bauch hatte ich noch sämtliche Empfindungen“, erzählt Sandra Schlüter. „Mein Mann wies den Anästhesisten darauf hin, dass die Betäubung offensichtlich nicht wirkte, aber der meinte nur: „Das passt schon.“

Tat es nicht. „Sandras entsetzliche Schreie habe ich heute noch im Ohr“, erzählt Christian Schlüter. „Doch der Arzt schnitt seelenruhig weiter.“ Hilflos war Sandra dem Skalpell ausgeliefert. „Die Schmerzen waren unbeschreiblich“, sagt sie. „Dann hörte ich plötzlich ein grässliches Geräusch, so als ob Stoff zerreißt. Heute weiß ich, dass es meine auseinanderreißenden Bauchmuskeln waren…“ 

Quälende Zeit verging, bis den Medizinern klar wurde, was da gerade geschah. Christian Schlüter: „Sie drängten mich sofort aus dem Kraißsaal. Noch im Rausgehen hörte ich Sandra schreien, bis sie endlich eine Vollnarkose bekam.“  Dass die Klinik sich inzwischen entschuldigt hat, ist kein Trost für die Schlüters. Mithilfe ihres Anwalts fordern sie 60 000 Euro Schmerzensgeld. Doch selbst das könnte die verheerenden Folgen allenfalls lindern. „Das einzig Gute ist, dass unsere Emily gesund zur Welt kam“, sagt Sandra.  Ansonsten scheint die Zukunft der Familie zerstört. So sehr haben sie sich etwa ein zweites Kind gewünscht. Doch Sandra ist psychisch einfach nicht in der Lage sich noch einmal auf eine Schwangerschaft einzulassen. „Auch unser Liebesleben ist mehr als beeinträchtigt“, erzählt ihr Mann. „Sandra leidet immer noch unter Schmerzen.“ Nun hofft die gequälte Frau auf professionelle Hilfe. „Ich muss dringend eine Psychotherapie machen. Nur so kann ich dieses Grauen hoffentlich irgendwann verarbeiten.“

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