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12.07.2019 

Kfz-Mechaniker erhält Geld nach Fehldiagnose in der Leitstelle der Feuerwehr. Beide Seiten akzeptieren Vergleich

 Von Jörn Hartwich

 Ein Schlaganfall-Patient aus Herne bekommt von der Stadt nun endgültig 50.000 Euro Schmerzensgeld. Der bereits Anfang Juni geschlossene Vergleich ist rechtskräftig.

Das hat eine Sprecherin des Bochumer Landgerichts am Freitag auf Anfrage mitgeteilt. Die Stadt hatte im Prozess zwar schon grünes Licht für die Zahlung signalisiert, sich aber eine sechswöchige Widerruffrist erbeten. Die ist nun abgelaufen – ohne das Widerspruch eingelegt worden ist.

Hintergrund des Rechtsstreits war ein Anruf vom 3. Juli 2016 bei der Herner Feuerwehr. Ein 40-jähriger Kfz-Mechaniker hatte sich unter der Notrufnummer gemeldet und vermutet, dass er einen Schlaganfall erlitten hat. Der Mitarbeiter der Herner Feuerwehr wiegelte jedoch ab. Er tippte auf Rückenprobleme und verwies den Mann an den ärztlichen Notdienst.

Gutachter: Grob fehlerhaft gehandelt

Erst nachdem sich die Schwester des Patienten eingeschaltet hatte, wurde doch noch ein Krankenwagen geschickt – nach rund einer Stunde. Die Diagnose stand schnell fest: Es war tatsächlich ein Schlaganfall. Ein vom Bochumer Landgericht beauftragter Gutachter hatte das Verhalten des Feuerwehrmitarbeiters als „grob fehlerhaft“ eingestuft. Das gesamte Verhalten sei nicht nachvollziehbar und unverständlich. Ein Neurologe hatte außerdem erklärt, dass bei „zeitgerechtem Handeln“ eine reelle Chance bestanden hätte, dass keine oder nur minimale Beeinträchtigungen verblieben wären. Tatsächlich ist der 40-Jährige seit dem Schlaganfall auf einen Stock angewiesen, leidet unter Taubheitsgefühlen und kann nicht mehr arbeiten.

Auch der hat die Einigung mit der Stadt Herne akzeptiert, obwohl seine Anwältin Sabrina Diehl ursprünglich 75.000 Euro und die Übernahme möglicherweise anfallender Folgekosten gefordert hatte.

 

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