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Anna-Lore Bärthels Sohn wirft dem Seniorenzentrum St. Georg vor, seiner Mutter nicht ausreichend Flüssigkeit gegeben zu haben. St. Elisabeth Gruppe weist Vorwürfe zurück

Anna-Lore Bärthel macht trotz ihrer 95 Jahre einen hellwachen Eindruck. Die Seniorin habe aber auch schon ganz andere Phasen hinter sich, wie ihr Sohn Friedrich berichtet. „Ich habe meine Mutter in eine Kurzzeitpflege im Seniorenzentrum St. Georg an der Wörth-Straße gegeben. Dort hat man sich wohl nicht ausreichend um sie gekümmert, sie bekam anscheinend nicht genug zu trinken und war am Ende ganz apathisch“, berichtete der 64-jährige, der selbst einmal als Krankenpfleger gearbeitet hat und – wie er sagt – „vom Fach“ ist.

Er hat sich eine Herner Anwältin genommen, Sabrina Diehl, die den Fall so schildert: „Als die Frau in einem Seniorenzentrum zur Kurzzeitpflege aufgenommen wurde, verschlechterte sich ihr gesundheitlicher Zustand mangels Achtsamkeit dieser Einrichtung so sehr, dass sie stationär in einem Krankenhaus behandelt werden musste.“

Obwohl die Frau schon in einem betagteren Alter sei und sich langsam eine Demenz bei ihr bemerkbar mache, sei sie noch so fit gewesen, dass sie noch ohne Hilfe in einer Pflegeeinrichtung versorgt werden konnte. „Ihre Angehörigen haben sie dabei unterstützt, was gut funktionierte. Da sich auf kurz oder lang aber abzeichnete, dass die Demenz voranschreiten würde, entschloss sich die Familie dazu. Die Frau vorerst in einer Kurzzeitpflege unterzubringen. Es sollte dann geschaut werden, ob eine Vollzeitunterbringung in diesem Seniorenzentrum nicht auch auf Dauer sinnvoll ist“, so die Rechtsanwältin weiter. Nach einigen Tagen habe Anna-Lore Bärthel dann schon im Krankenhaus behandelt werden müssen. „Sie war vollkommen dehydriert, apathisch und verwirrt, hatte erhebliche Verdauungsprobleme und seit Tagen schon ihre Medikamente nicht mehr richtig genommen. Insgesamt befand sie sich in einem desolaten Allgemeinzustand.“

Im Krankenhaus konnte sie nach einigen Tagen schon wieder aufgepäppelt werden. Im Seniorenzentrum sei sie jedoch auf bestem Wege gewesen zu verdursten.

„Man kann das erkennen, wenn jemand dehydriert ist, man zieht einfach die Haut an einer Hand hoch und beobachtet den Zustand“, weiß Friedrich Bärthel. Laut St. Elisabeth Gruppe sei der desolate Zustand der Seniorin unter Umständen von ihrem Sohn selbst mitverursacht worden: „Nach der Aufnahme von Frau Bärthel in der Kurzzeitpflege wollte der Sohn die Medikation mit dem Hausarzt abklären und die Medikamente besorgen. Laut unseren Unterlagen ist dies nicht erfolgt“, erklärt Sabine Edlinger, Mitglied der Geschäftsleitung, St. Elisabeth Gruppe, auf Anfrage der WAZ.

Anna-Lore Bärthel sei nur rund dreieinhalb Tage in der Kurzzeitpflege gewesen. Laut Unterlagen habe sie sich die ersten drei Tage selbstständig angezogen, gegessen und getrunken. „Am Abend des dritten Tages klagte sie über Luftnot und wurde mit dem Rettungswagen in ein Krankenhaus eingeliefert. Knapp vier Stunden später kam sie nach Mitternacht wieder in unsere Einrichtung“, so Sabine Edlinger weiter. Am vierten Tag habe die Seniorin ab mittags das Essen verweigert. „Da sie auch nachts nichts trank, erhielt sie abends eine Flüssigkeitsinfusion. Als sie sich kurz danach übergeben musste, wurde der Bereitschaftsarzt gerufen. In den Morgenstunden brachte ein Rettungswagen sie erneut ins Krankenhaus.“ Inzwischen lebt Anna-Lore Bärthel in einer anderen Pflegeeinrichtung, wo sie sich wohl fühlt. „Aber zu Hause“, sagt sie zur WAZ, „da war es schöner“.

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